In der Endlosschlaufe

Endlich , endlich habe ich das Ende erreicht und warte darauf, dass sich jetzt endlich und endgültig etwas ändern möge, was aber im Endeffekt natürlich in einer Endlosschlaufe enden wird, weil es ja eben keine Enderungen, sondern nur Änderungen sein können, und das ist meistens eine endogene Angelegenheit (ja, gut, eine von innen her kommende – aber endogen passt jetzt so schön), keine von aussen zu ändernde.

Das war wohl jetzt etwas unklar, deshalb probiere ich es anders.

Das Buch hatte einen dieser Titel, an denen ich unmöglich vorbeigehen kann. Genauso unmöglich könnte ich an einer kleinen Katze vorbeigehen oder an einem Chai Latte oder an einem Luxemburgerli oder an einem Sofa, kurz nach dem Mittagessen oder am Lunchkino, wenn ich zufällig noch zwei Stunden habe oder überhaupt an zwei Stunden. Weil man ja meistens zu wenig hat davon, also von den Stunden.

„Wie Sie in 60 Sekunden ihr Leben verändern“ stand in roten Lettern auf blauem Grund und 60 Sekunden, sagte ich mir, sind ein faires Angebot, um mein Leben eben mal schnell zu ändern.

In Bezug auf den fairen Handel weiss man natürlich: Nicht immer hält er, was er verspricht. Die 60 Sekunden waren eine masslose Untertreibung, hat es doch mehrere Monate gedauert, bis ich das Buch ausgelesen habe. Selbst wenn ich nicht die blöde Angewohnheit hätte, mehrere Bücher parallel zu lesen, hätte ich das unmöglich in einer Minute geschafft. Da gibt es bessere Möglichkeiten, in kurzer Zeit mein Leben drastisch zu verändern; meine Mutter schafft das locker in immerhin fünf Minuten, auch wenn das Ergebnis mehrheitlich unbefriedigend ausfällt.

Dafür hat es das Buch aber jedes Mal, wenn ich es wieder zur Hand nahm, geschafft, mich innerhalb weniger Minuten zum Schmunzeln zu bringen. Der erfindungsreiche Verhaltenspsychologe Richard Wiseman hat nämlich nicht nur originelle Ansätze in seiner Forschung, er hat auch Sinn für Humor. Wenn er zum Beispiel beim Experiment „Wie verbessern Klettverschlüsse eine Partnerschaft“ seine Versuchsleiter die Paare mit Klettverschlüssen „verbinden“ lässt und darauf hinweist, sie hätten sich sehr zusammennehmen müssen, um dabei nicht „Stuck On You“ zu summen, entlockt das jedem Leser ein Grinsen. Selbst wenn er nicht verheiratet sein sollte. Ausserdem zerstört er ganz nebenbei ein paar fest verankert Mythen, indem er zum Beispiel nachgewiesen hat, dass das Brainstorming in einer Gruppe weniger effizient ist als wenn sich ein Einzelner Gedanken macht. Sympathisch auch die Bestätigung, dass kreative Gedanken durch ein Nickerchen bei der Arbeit gefördert werden (ich bin zuversichtlich, dass irgendwann auch der Chai Latte, das Streicheln kleiner Katzen, der Genuss von Luxemburgerli und ein gelegentlicher Besuch im Lunchkino wissenschaftlich sanktioniert werden).

Für alle, die wirklich nur sehr wenig Zeit haben, sind am Schluss des Buchs zehn Grundtechniken aufgeführt, die das Leben innerhalb von 60 Sekunden positiv verändern können. Meine Favoriten sind: Stecken sie das Foto eines Babys in Ihre Brieftasche, Loben Sie die Anstrengung von Kindern anstatt ihre Fähigkeit und Überlegen Sie sich, was man an Ihrer Beerdigung über Sie sagen würde*.

Wer sich jetzt keinen Endreim darauf machen kann … ja – der muss wohl notgedrungen das Buch lesen. Alles wird einem nicht geschenkt. Jedenfalls nicht in nur 60 Sekunden.

*Als kleiner Bonus aber hier noch ein praxisbezogenes Beispiel:                             Das Flohnmobil würde über mich sagen: „Das Kochen war nicht ihre Stärke.“ Allein diese Erkenntnis wird mich dazu veranlassen, mich morgen Abend mächtig ins Zeug zu legen.

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3 Antworten zu In der Endlosschlaufe

  1. Flohnmobil schreibt:

    Hast du eine leise Ahnung, wie viele Luxemburgerli ich in 60 Sekunden verdrücken kann?

  2. Renate schreibt:

    Ich muss dich enttäuschen; es gibt keine. Für’s Dessert bin ich ja nicht zuständig 😉 .

  3. Flohnmobil schreibt:

    Da habe ich wohl einen taktischen Fehler begangen…

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