Kaum zu glauben

Schon früh am Morgen und höchst untypisch vom durch die Fenster hereinfallenden Sonnenschein geblendet, beschlossen der Teenager und ich, einen Spaziergang zu machen. Wir ignorierten das Thermometer, das 21, 4 Grad Celsius zeigte – es war wohl hinüber – kleideten uns vernünftig und marschierten los.

Schon nach wenigen Schritten wurde uns warm. Schicht um Schicht entledigten wir uns der Winterkleider, um schliesslich im T-Shirt die unverhoffte Wärme zu geniessen. Wir schnupperten an blühenden Büschen, bestaunten erste Weidenkätzchen, tippten mit dem Finger an die nahe Säntisspitze und gratulierten uns dazu, dass wir den Winter so unbeschadet und praktisch ohne ihn zu bemerken, überstanden hatten. Das sommerliche Wetter wirkte sich äusserst günstig auf unsere Kommunikationsfreudigkeit aus und bald befanden wir uns inmitten tiefsinniger Gespräche.

Wir rätselten darüber, warum gewisse Lastwagenfahrer beinahe aus ihrer fahrenden Festung fallen, wenn eine 16-jährige vor ihnen die Strasse überquert (sie reagieren offenbar auf leicht zu unterscheidende Parameter wie „blond“, „langhaarig“ und „weiblich“), suchten nach dem richtigen Ausdruck für „Wirbeltreppe“ (Wendeltreppe), der Teenager fragte sich, ob er erwachsen werden solle (ich riet ihm davon ab) und wir wunderten uns ein bisschen darüber, was andere Leute so denken. Als nämlich der Teenager kürzlich im Kollegenkreis erzählt hatte, den Flugplatz Samedan kenne er, konstatierte einer doch allen Ernstes: „Aha, ihr habt auch einen Privatjet. (Wir haben keinen.)

Anschliessend war uns noch wärmer geworden, so dass wir die Badesachen einpackten und zum nahen Freibad radelten. Welche Enttäuschung: Es war geschlossen. Ungläubig starrten wir ins leere Schwimmbecken und dann auf den Kalender; aber tatsächlich – es ist nicht zu glauben – wir schreiben den 14. November. Bald ist Weihnachten.

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4 Antworten zu Kaum zu glauben

  1. Die paar Meter nach München hättet ihr ja auch noch weiterradeln können. Da war heute der 14. Mai. Nur 18 Grad, aber dafür hat das Freibad offen. Jetzt nur nicht vor Neid erblassen – ich bin sowieso schon bräuner als ihr, vom Schwurbeln im Sprudelbecken 😉

  2. Renate schreibt:

    Wie man sich irren kann. Ich dachte immer, die Datumsgrenze liege von hier aus im Westen… 🙂

  3. Flohnmobil schreibt:

    Jetzt mach uns bloss nicht noch glauben, die Foto sei auch heute entstanden.
    Ich konnte angesichts der vielen blühenden Pflanzen, die ich heute auf dem Spaziergang gesehen habe (Chrottebösche, Müllerblüemli, Margritli, Klee, Bachbumbele, Hahnenfuess weiss der Gugger noch was) auch kaum glauben, dass schon Mitte November ist.

  4. Renate schreibt:

    Bei mir darf jeder glauben, was er will. 😉

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