Vom Stellenwert des Novemberschreibens

Das Novemberschreiben hat begonnen, am Montag bereits, aber im Gegensatz zum letzten Jahr, als ich ein flottes Anfangstempo vorlegte, hinke ich schon am dritten Tag weit hinter dem durchschnittlichen Tagessoll her. Zum einen liegt es daran, dass ich diesmal, wo ich zum zweiten Mal mitmache, ohne klares Konzept ins Rennen gegangen bin, also ein bisschen ziellos vor mich hinschreibe und mal dies probiere, mal das. Vor allem aber liegt es wohl daran, dass das Herz nicht im selben Mass dabei ist wie letztes Jahr.

Was aber nicht schlimm ist. Weil mein Herz andere Orte gefunden hat, wo es sich gerne aufhält und das wiederum, das lässt sich bei akribischer Zurückverfolgen der Spuren und unter Brücksichtigung sämtlicher Indizien beweisen: Das habe ich dem Novemberschreiben zu verdanken.

Ohne das letztjährige Novemberschreiben, mein erstes, gäbe es die Schreibschaukel nicht. Ohne das Novemberschreiben hätte ich diejenige
nicht getroffen, die mir erklärt hat, was ein Blog ist – nein, das habe weder mit Strassen noch mit Schokolade zu tun – mehr aber noch: Die mich für fähiger fand als ich mich und mir zuredete, ich bekäme das selber auch hin.

Seit gut zehn Monaten schaukle ich jetzt schon auf und ab und es ist mir noch nicht verleidet. Im Gegenteil: Es gefällt mir je länger je besser. Ich bin mittlerweile so richtig in Schwung gekommen und wer sich selber ab und zu auf eine Schaukel setzt, weiss: Während das Einleiten der Bewegung ein kleiner Kraftakt ist, muss bei grösserem Pendelausschlag nur noch geringe Energie in die Bewegung gesteckt werden. Für mich ist meine Schreibschaukel, von der ich einen tipptoppen Ausblick auf neue Horizonte gewonnen habe, nicht nur das legendäre Perpetuum Mobile, also eine Konstruktion, die einmal in Bewegung gesetzt, ständig in Bewegung bleibt, sondern noch mehr. Mitunter kann es nämlich passieren, dass ich mich müde und lustlos an meinen Laptop setze, mich eine Stunde später aber erfrischt und energiegeladen davon erhebe, nachdem ich lustvoll eine Weile geschaukelt habe. Man könnte also glatt sagen: Die Schreibschaukel ist zu meiner persönlichen Ladestation geworden.

Es ist aber nicht das damit verbundene Schreiben allein, also der kreative Prozess, der sie für mich zum unentgeltlichen Wellnessurlaub mitten im Alltag macht. Vielmehr sind es die in Fluss gekommenen Gedanken und Reaktionen auf meine Aktionen. Indem ich etwas in die Welt hinaus sende, empfange ich wieder etwas und ab und zu fühle ich mich dadurch reich beschenkt. Es ist schön, beschenkt zu werden, aber genauso schön ist, es, ein Geschenk machen zu können, weswegen ich demnächst vielleicht auf die eine oder andere meiner aktuellen Neuentdeckungen – sie sind meist schriftlicher Natur – hinweisen werde.

Heute aber lasse ich es gut sein und werde mich noch ein wenig dem Novemberschreiben widmen. Wenn es auch nicht ganz so wichtig für mich ist wie vor einem Jahr, als es für mich darum ging, den Schreibfluss in Gang zu bringen. Es hat nämlich, das muss hier einmal gesagt werden, ganze Arbeit geleistet, das Novemberschreiben!

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