Dem Leben ins Gesicht lachen

im nachhinein erscheint mir der text über die geschenkten stunden etwas pathetisch. ich habe ihn in meiner lieblingsrolle als „terminatorin“ geschrieben, am tag vorher. als ich noch zweihändig schreiben konnte oder jedenfalls etwas unbeschwerter als mit dem einen arm eng an die seite gepresst, um möglichst wenige sehnen, muskelfasern und was es sonst noch drin hat, mit einzubeziehen und jede unnötige bewegung zu vermeiden, weshalb hier vorübergehend alles kleingeschrieben ist.

obwohl mir geschenkte stunden höchst willkommen sind, verlieren sie in der nacht ihren reiz, dann, wenn man gern schlafen würde, es aber nicht kann, weil man keine erträgliche stellung findet. auch wenn ich der meinung bin, das leben müsse in jeder facette ausgekostet werden und empfindungen aller Art schätze; schmerz gehört nicht dazu. In dieser beziehung bin ich ein weichei, was daran liegt, dass mich das leben noch nicht hartgekocht hat. keine ahnung, warum meine schulter gerade jetzt findet, es sei an der zeit, mir meine vergänglichkeit vor augen zu halten und ob das jetzt dem rollstuhlmarathon von letzter woche (meine mutter ist kein leichtgewicht), meinem übertrieben haltungsbewahrenden auftritt im fitnesszentrum oder ekstatischem laubwerfen zuzuschreiben ist. jetzt setze ich meine hoffnung in die fähigkeiten unseres hausarztes, dem ich heute endlich meine aufwartung machen kann. auf die entsprechende pille, salbe, spritze, allenfalls auch auf ein wunder oder eine haushälterin. Sonst sieht es zappenduster aus fürs novemberschreiben und dann könnte ich mir auch einen winterschlaf vorstellen.

Die schlaflosen nächtlichen stunden verbuchte ich kurzerhand unter minus, weshalb ich mir gestern noch ein paar zusätzliche gönnte. Was jetzt nicht unbedingt logisch ist, für mich aber sinn machte. Nach einem ausgedehnten spaziergang sah ich mir „harold and maude“ an, den kultstreifen aus dem jahr 1971. Damals hätte ich dem film wohl nichts abgewinnen können, aber gestern war ich hin und weg von der skurrilen geschichte und ihrer botschaft von lebensfreude, die im krassen gegensatz steht zu den morbiden angfangsszenen. auch wenn sich das auge wieder an die langsamkeit eines fast vierzigjährigen films gewöhnen muss.

Und damit tröste ich mich jetzt vorläufig, denn maude, die hätte dem schmerz die kalte schulter gezeigt – nicht umgekehrt.

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4 Antworten zu Dem Leben ins Gesicht lachen

  1. wildgans schreibt:

    deine art zu schreiben, bewundere ich: stehender applaus!
    deine art, dir trost zu holen, anstatt dich in selbstmitleid zu suhlen, ebenso!
    du kriegst geholfen heute, hoffentlich!
    gruß von sonja

  2. Renate schreibt:

    na ja, das im selbstmitleid suhlen findet halt eher hinter verschlossener tür statt 😉
    vielen dank für die blumen; blumen helfen immer!

  3. runningtom schreibt:

    Wünsche Dir, dass Du bald wieder beschwerdefrei schreiben kannst.
    Die Spracherkennung ist noch nicht weit genug um so differenzierte Texte zu produzieren, wie Du es händisch auf der Tastatur machst.

  4. Renate schreibt:

    Danke. Ein Hoch auf die Pharmaindustrie; ich trau mich schon wieder an die Grossbuchstaben.

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