Planlos

Spät komme ich heute zum Schreiben, sehr spät. Der Grund dafür ist derselbe, der mich nie hat Karriere machen lassen. Weder als Hausfrau (ich schaffe es einfach nicht, zum viel effizienteren Wocheneinkauf überzugehen, aber wie, bitte schön, soll ich denn heute wissen, was ich übermorgen essen will?!), noch als Lehrerin (zehn Jahre und ein paar zerquetschte waren sehr schön, aber irgendwie auch wieder genug), noch als freie Journalistin (ich hasse es, fremde Leute anzuquatschen und um Menschenaufläufe mache ich grundsätzlich einen Bogen) und leider auch nicht als Buchautorin. (Meine guten Vorsätze, endlich mein Novemberbuch unter Dach und Fach zu bringen, verliefen leider erst im Regen und jetzt in der Hitze.) Die Wahrheit ist: Ich kann ganz schlecht planen.

Heute zum Beispiel. In Anbetracht eines fast terminfreien Tages hatte ich mir fest vorgenommen, endlich das Weihnachtsspiel voranzutreiben. (Es ist eine traurige Tatsache, dass Weihnachtsgeschichten und ähnliches meist im Sommer geschrieben werden; damit verhält es sich umgekehrt wie mit dem Angebot im Kleiderladen, denn Bikinis gibt’s erst wieder im Winter…). Zum Ablieferungstermin bleiben mir zwar noch ein paar Wochen, aber, so sagte ich mir, es wäre doch schön, wenn es zumindest auf dem Papier nicht zu einer spontanen Geburt käme.

Heute Morgen aber machte ich den entscheidenden Fehler, dass ich den Wäschekorb leerte. Dabei fiel mir auf, wie viel Staub sich unter selbigem angesammelt hatte, worauf ich – nur schnell – zum Staubsauger griff. Als ich schon dabei war, befreite ich auch die anderen Zimmer vom Staub, um dann wieder ins Badezimmer zurückzukehren, wo ich eigentlich duschen wollte. Da ich aber, weil ich ja Staub gesaugt hatte, die Brille auf der Nase hatte, sah ich die Duschecke plötzlich mit ganz anderen Augen. Sie sah nicht schön aus. Also beschloss ich, sie vor der Benutzung zu reinigen (übrigens eins der ungelösten Dilemmas aller Hausfrauen der Welt: Was soll ganz zuletzt glänzen – die Dusche oder ich?!).

Als die Duschecke sauber war, sah sie toll aus. Allerdings stand sie jetzt in krassem Gegensatz zur Badewanne und – wo ich doch schon mal dabei war! Um die Sache etwas abzukürzen: Es ist erstaunlich, was man aus dem Badezimmer einer Schweizer Durchschnittsfamilie herausholen kann. Involviert in meine Bemühungen waren Staubsauger, Wischmopp, diverse Lappen und Tücher, Fensterputzgerät, Kalk- und Schimmelentferner sowie ein Luftentfeuchter und – ganz wichtig – ein grosser Abfallsack.

Was soll ich sagen? Aus dem Schreiben wurde heute nichts. Dafür herrscht im Haus Ordnung, des Teenagers Fahrrad ist bereit für die bevorstehende Velotour und der Rasen gemäht. Und das Badezimmer ist sauber. Jedenfalls gefühlmässig. Eigentlich hätte ich es ja gerne versiegelt und konserviert, aber bei den herrschenden Temperaturen konnte ich mich leider, leider nicht durchsetzen.

Dieser Beitrag wurde unter dazwischen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s