Kinderleichte Statistik

Schon auf der ersten Seite der Tageszeitung wurde mir heute mein Versagen unter die Nase gerieben. Als Mutter eines Einzelkindes passiert mir das immer mal wieder, liegt meine Kinderproduktion doch deutlich unter dem durchschnittlichen – und erwünschten –Mass. Anfang des neuen Jahrhunderts konnte ich mich kurzzeitig entspannen, da hatte ich bloss ein Drittel Kind zu wenig. Mittlerweile beträgt das Manko aber schon wieder ein halbes Kind und da mache ich mir natürlich meine Gedanken. Ich habe der Gesellschaft, die sich auch im Familienbereich ein wirtschaftlich rechnendes Wachstum wünscht, nicht das gegeben, was ich ihr schulde. Ja, wenn die Tendenz anhält, gerate ich immer mehr ins Minus. Am meisten übel nimmt mir das Teenager. Der hätte glatt noch drei Geschwister dazu genommen und ist froh, dass er ab und zu bei seiner besten Freundin unterschlüpfen kann, wo ein Kind mehr nicht allzu sehr ins Gewicht fällt.

Zu meiner Entschuldigung könnte ich als Babyboomer ins Feld führen, dass ich dem damals grossgeschriebenen Umweltschutz Rechnung tragen wollte. Wie könnte man das besser, indem man unserem Planeten nicht zu viele unserer Spezies zumutet? Man kann ja nicht IMMER wirtschaftlich denken, oder? Jedenfalls nicht ohne Kollateralschäden… Tatsache ist aber, dass es für meine One Child Show keine hehren Gründe gibt; es hat sich einfach so – beziehungsweise nicht anders – ergeben (Tut mir echt leid, Teenager!)

Klasse gelöst hat die Sache mit dem Kinderkriegen übrigens meine Schwiegermutter. Als der Handyman vier Jahre alt war, beschloss sie wohl, die Sache ein für allemal vom Tisch haben zu wollen und legte dem Handyman – und seinem geschockten Vater – gleich drei Schwesterchen aufs Mal in die Wiege. Daran hatte der Handyman in der Folge schwer zu schlucken und meiner Ansicht nach hat er sich bis heute nicht ganz davon erholt.

Immerhin, wenn es stimmt, dass das mit den Zwillingen (und Drillingen!) eine Generation überspringt, dann habe ich gute Chancen, eine überdurchschnittlich beschäftigte Grossmutter zu werden, auch als Mutter eines Einzelkindes. Meinen schuldbewussten Vorsatz, Busse zu tun und wenigstens in Anbetracht des verheerenden Lehrermangels wieder in den Schuldienst zurückzukehren, habe ich deshalb fürs erste verworfen. Erstens sollte ich meine Kräfte sparen (wegen meiner Zukunft als Turbogrossmutter) und zweitens: Ich bin ja nicht schuld daran, dass zu viele Kinder in die Schule wollen…

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