Im Gleichklang


Der Tag begann heute nicht mit einem Paukenschlag sondern mit dem Klang eines Gongs. Auch wenn dieser nur vom Aufnahmegerät via Kopfhörer an mein Ohr drang, fand ich es beeindruckend. Der Gong ist sehr gross. Er ist so gross, dass er nicht einfach zu transportieren ist. Ab und zu aber befördert ihn sein Besitzer dennoch in eine Fabrikhalle, wo er mit einem Freund dann diese ganz speziellen Aufnahmen macht. Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher, oder das Rauschen des Regens, unterlegt mit einem Schlagzeugrhythmus und dazu der Gong, auf dem man die unterschiedlichsten Geräusche erzeugen kann. Und das über Stunden. So kreativ das ist; das Herstellen einer solchen Aufnahme ist laut unserem Freund, der gestern bei uns einen Etappenhalt einlegte, Schwerarbeit. Wenn man sich das Ganze dann aber anhört, den Blick ins Grüne gerichtet und der sphärischen Musik lauscht, die an Walgesänge erinnert, hat das etwas überaus Entspannendes. Ich war jedenfalls begeistert und bin dem Angebot unseres Freundes, das nächste Mal vielleicht doch den Gong selber mitzubringen, nicht abgeneigt. Zumal ich meinen Nachbarn zutraue, solch neue Erfahrungen ebenfalls zu schätzen. Eine wichtige Voraussetzung, denn der Gong in Natura wäre wohl auch noch im übernächsten Haus zu hören.

Als ich der Musik lauschte und meinen Gedanken nachhing, kam mir mein gestriger Beitrag wieder in den Sinn. Vielleicht tat der Gong, ein Wahrzeichen tibetischer Klöster, das seinige dazu, jedenfalls dachte ich unvermittelt: Welch passender Titel das doch war, „Tag des Lächelns“. Immerhin traf gestern der Dalai Lama in Zürich ein. Auch wenn unsere Regierung einmal mehr einen Kniefall vor der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China macht, so freuen sich doch nicht nur die Tibeter, sondern auch ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung über den hohen Besuch. Und das wiederum hat mit dem Lächeln zu tun, denn wenn jemand das personifizierte Lächeln ist, dann ist es der Dalai Lama.

Zum Thema Lächeln existieren die verschiedensten Zitate. Während die meisten es als etwas Erstrebenswertes darstellen, z.B. in „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag„, oder „Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück„, gibt es auch den Kontrapunkt. So hat ein russischer General einst gesagt: „Wer immer nur lächelt, bekommt nichts als Falten im Gesicht“ und könnte damit in unserer Botox-Gesellschaft durchaus seine Anhänger finden. Vielleicht bezog er sich damit aber auch auf das angestrengte Lächeln, das nicht von Herzen kommt, und auf dieses nun, das muss ich gestehen, kann ich leicht verzichten.

Man kann lächeln und man kann lächeln. Tut man es bloss, weil es von einem erwartet wird, so dringt es selten bis in die Augen und erreicht auch nicht das Herz des Gegenübers. Beim Dalai Lama aber verhält es sich nun wirklich nicht so; dieser Mann lächelt nicht nur mit seinen Augen, sondern mit seinem ganzen Wesen. Seine Falten, die er sich im Laufe der Jahre lächelnderweise erworben hat, stehen ihm sehr gut; ich persönlich finde sogar, dass er eine Schönheit ausstrahlt, die Ihresgleichen sucht. Wie anders wirkt doch ein Bild des geistigen Oberhaupts der Tibeter (heute auf der Titelseite der Zeitung) verglichen mit dem des Kardinals (Seite11), vom Papst ganz zu schweigen. Selbst als gestandene Sonntagsschullehrerin kommt mir da unwillkürlich der Gedanke, ob ich vielleicht nicht doch zum Buddhismus konvertieren sollte.

Das werde ich nicht tun. Ich mag nämlich nicht nur den Gong, ich kann auch den Kirchenglocken einiges abgewinnen. Ausserdem halte ich mich weniger an das, was uns die Institution Kirche vorgibt, sondern an den Leitspruch WWJD (What would Jesus do?). Was Lebensfreude, Nächstenliebe, Toleranz und ganz allgemein die Lebensweisheit anbelangt, da ist der Dalai Lama für mich ebenfalls ein grosses Vorbild und ich würde jede Wette machen, dass er sich mit Jesus klasse verstanden hätte.

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