
“Wie niedlich”, flüsterte ich beim Familienessen meiner Tischnachbarin zu, “das ist dem ehemals kleinen Teenager manchmal auch passiert.” Auch der war ab und zu noch während des Essens, von Müdigkeit übermannt, kurzzeitig weggetreten und, das Köpfchen auf der Brust, selig weggedämmert. Genau dies widerfuhr in diesem Moment offenbar dem jüngsten anwesenden Mitglied des Clans, das gerade mal zwei Jahre alt war. Dachte ich. Doch jäh wurden meine nostalgischen Erinnerungen zunichte gemacht. “Der schläft nicht, der spielt mit dem i-Phone”, gab meine Schwägerin trocken zu Antwort. Sie hatte den besseren Blickwinkel und liess sich von dem niedlichen Blondschopf nicht in die Irre führen.
Erst wollte ich ihr nicht glauben, ging etwas näher ans Geschehen und liess mich schliesslich fasziniert neben dem Kleinen nieder, der mich grosszügig sofort in sein Unterhaltungsprogramm mit einbezog. Mit seinen kleinen Fingerchen schob er mit einem feinmotorischen Geschick, von dem ich nur träumen kann, die Fotos hin und her (“Das ist mein Bruder.” …”Das bin ich.”… “Das ist ein F18.”), drückte da auf einen Pfeil um ein Filmchen abzuspulen und verkleinerte dort einen Ausschnitt (vergrössern konnte er ihn noch nicht – immerhin!), es war nicht zu fassen.
“Die beiden haben das ganz alleine herausgefunden”, erklärte die Mutter entschuldigend. Eines Morgens sei es ungewöhnlich ruhig gewesen (wer je selber kleine Kinder hatte, weiss, dass man sich in einem solchen Moment ebenfalls ruhig verhält, selbst auf die Gefahr hin, dass das Badezimmer unter Wasser gesetzt, der Kühlschrank ausgeräumt oder die Wohnungseinrichtung zugeklebt wird – Hauptsache, man kann noch etwas liegenbleiben). Als sie schliesslich nachgesehen habe, hätten die beiden Jungs, unplanmässig an ihr i-Phone gelangt, den autodidaktischen Kurs bereits erfolgreich abgeschlossen gehabt.
Ja, so ist das. Unsereins muss sich diese Fertigkeiten mit dem Messer zwischen den Zähnen hart erkämpfen; die neue Generation wird damit geboren.
Eine Weile schauten wir dem Kleinen noch wohlwollend, wenn auch ein bisschen neidisch zu. Erst, als er – ich unterstelle ihm, dass es kein Versehen war, sondern pure Absicht! – eine Nachricht versandt hatte, nahm die Mutter ihr i-Phone wieder an sich. Was ihr nur deshalb gelang, weil just in diesem Augenblick der Nachtisch kam.

Tönt auch ein bisschen nach Raumschiff Enterprise-Nachkommen. Immerhin beruhigend, dass so althergebrachte Sachen wie ein Dessert für digital Natives trotz aller Technik noch begehrenswert sind.
Das schmeckt rein virtuell nun mal nicht …
Offenbar sind die Programme auf den mobilen Geräten noch nicht ausgereift genug
…aber was nicht is(s)t kann ja noch werden.