Doofes Gefühl


Heute hat mich meine Blogstatistik ein wenig erschreckt. Wie alle Blogger bin ich es gewöhnt, dort die schrägsten Dinge vorzufinden. Mittlerweile zucke ich nicht mehr mit der Wimper, wenn ich zum Beispiel lese …egal. Aber heute! “…wenn man das Gefühl hat zu sterben…” steht da schwarz auf weiss. Au Backe. Kurz erlaube ich mir einen Anflug von Mitleid, doch dann fallen die Selbstzweifel über mich her.

Klar gibt es vereinzelt Tage, wo mich das Gefühl streift, sterben wär’ jetzt nicht mal das Schlechteste. Aber so was schreibt man ja nicht gleich in den Blog. Entweder halte ich mich dann von meinem Blog fern, oder aber ich schreibe etwas Lustiges, um auf andere Gedanken zu kommen (funktioniert übrigens sehr gut).

Bang gebe ich also auf meinem eigenen Blog unter der Stichwortsuche “Da war doch was über…” besagte Formulierung ein. Habe ich vielleicht in grauer Vorzeit, als mir auch sonst noch der eine oder andere Fauxpas unterlaufen ist…? Oder stosse ich auf irgendeine GEFÜHLsduselei, die mir im Nachhinein peinlich sein könnte? Doch nein, beruhigt lese ich: “Entschuldige, aber es konnte nichts gefunden werden. Versuche es mit einem anderen Schlüsselwort erneut.”

Nein danke, liebes WordPressteam, ich werde mich hüten. Wer will denn schon sterben an so einem wundervollen Tag, der den meteorologischen Frühling einläutet?!

Und wer immer mit dieser Suchanfrage bei mir gelandet ist: Ich hoffe doch schwer, ich habe ihm oder ihr nicht den Rest gegeben.

Alles Käse?

Mit meinem Kommentar zum Fonduebeitrag des Flohnmobils habe ich mich mal wieder als kulinarischer Banause geoutet. Autsch. Die folgenden Kommentarschreiber haben’s mir so richtig gegeben, weil: Wie kann ich nur?!

Die traurige Tatsache ist, dass ich nicht besonders gut kochen kann. Besser gesagt: Ich mag nicht; ein Kochbuch lesen kann ich nämlich schon. Da ich meine Nase aber schon immer lieber in andere Bücher gesteckt habe, hapert es mit meinen Kochkünsten. Irgendwie fehlt mir einfach die Geduld dazu und ich finde auch absolut keinen Gefallen an gemeinsamem, die Gäste mit einbeziehendem Kochen. Schliesslich will ich mich mit ihnen amüsieren.

So einem skandalösen Outing geht natürlich – insbesondere in unserer Gesellschaft – ein langer Prozess voraus. Allerdings greift einem das Leben netterweise unter die Arme und das eine oder andere Missgeschick trägt zur Entscheidungsfindung bei. Im Nachhinein kann ich über die unseligen Momente lachen. Gar nicht zum Lachen war mir aber, als ich, statt die Vorspeise noch kunstvoll zu dekorieren, beim Notfallarzt sass; ich hatte mich ziemlich übel geschnitten. Wie manchen Topf ereilte ein verfrühtes Ende, weil ich – es dauert ja immer so lange, bis das Zeug gar ist – nur schnell ein Stück auf dem Klavier spielen wollte, dann aber… tja. Und an den Geruch, den Entkalker verströmt, der partout nicht brennen will – die Flasche stand blöderweise direkt neben dem Sprit – erinnere ich mich heute noch. Kleinlaut auch meine Antwort, als ein Gast pikiert fragte, worauf wohl diese Kiwi gelegen habe. Äh …vielleicht auf dem Zwiebelschneidebrett?

So kam es also, dass ich mir eines Tages schwor: Lieber ab und zu ein Fertigmenu als immer mal wieder ein Wegwerfgericht. Ist ja alles eine Frage des Zeitmanagements, obwohl bei mir leider noch eine angeborene Schusseligkeit dazukommt. (Auf die bin ich übrigens entgegen dem Anschein nicht stolz, aber wenn sie schon im Alltag mehr als lästig ist, so darf sie wenigstens für den einen oder anderen Blogbeitrag herhalten.)
Meine Hinwendung zu zeitsparenderem Kochen bekräftigt hat übrigens die Aussage eines Maschineningenieurs, der bei einer Konservenfabrik angestellt war und darauf beharrte, in den Büchsen seien mehr Vitamine als im sogenannt frischen Gemüse, welches im Gegensatz zur sofort verarbeiteten Ernte oft noch mehrere Tage herumliegt.

Soweit so gut. Allerdings ist auch andersrum Vorsicht geboten. Peinlich berührt war jener Gast, der sich beim Dessert zu Begeisterungsstürmen über “diese kulinarische Köstlichkeit” hinreissen liess, worauf ich vorschnell und unbedacht verlauten liess: “Eine kaltgerührte Bananencreme von der Migros.” Heutzutage bin ich um Dekaden weiter. Den gekauften Kuchen (selber gemachten gibt es nur zum Geburtstag als Zeichen meiner Wertschätzung) präsentiere ich wohlweislich auf der edlen Glasplatte und falls es ein Kompliment gibt, schlage ich bloss verschämt den Blick nieder. Im Innersten aber freue ich mich, denn die Erfahrung hat mich gelehrt: Nicht nur, was mit Liebe gekocht ist, ist bekömmlich, sondern auch, was mit Liebe gegessen wird.

Insofern ist auch eine Tüte Gummibärchen meiner Gesundheit durchaus zuträglich. Und die roten, Farbstoff hin oder her, die liebe ich ganz besonders!


Blumiges Revival


Passend zum Regenschirm möchte ich heute ein anderes verwandtes Thema aufgreifen, nämlich das der Badekappe. Darauf gebracht hat mich der witzige Cartoon von Sonnenbluembummsbluete. Was, so habe ich mich gefragt, ist eigentlich aus den ulkigen Dingern geworden, die mir einst so vertraut waren?

Ganz schwach kann ich mich an ein Modell dieser Art erinnern, das meine Mutter zu tragen pflegte, als ich klein war (sehr klein, im Fall!). Insbesondere erinnere ich mich an den Geruch nach Gummi, der mir aber nicht mal unangenehm war. War er für mich doch untrennbar mit dem Geruch nach Chlor und dem allgegenwärtigen Plätschern in Frei- und Hallenbädern verbunden, wo ich einen grossen Teil meiner Jugend verbrachte.

Weil das so war und ja auch schon die Sechzigerjahre dran waren, herrschte allerorten Badekappenpflicht. Im Nachhinein wäre das eine schlüssige Erklärung dafür dass ich – von Natur aus zur Bequemlichkeit neigend – zur Wettkampfschwimmerin wurde: Da trug man zwar auch eine Badekappe, aber zumindest sah die ein bisschen cooler aus (obwohl ich nie eine mit integrierter Schwimmbrille hatte!).
Heutzutage sieht man Badekappen nur noch selten. Ein Besuch auf dieser Website hat mich aber mich zum Grübeln gebracht: Könnte es womöglich noch in diesem Jahrzehnt zu einem Revival kommen?

Genialer Str(e)ich

Auf meinem Arbeitsweg blieb heute mein Blick wieder mal an einem interessanten Detail hängen: der neuen Plakatwerbung für den “Sturmschirm”. Ich muss gestehen, das Wort gefällt mir rein lautmalerisch. Trotzdem verursachte das Objekt an sich eine reflexartige Stirnrunzel, und da hat es natürlich zum vornherein schlechte Karten.
In meinem Alter ist man Runzeln gegenüber sehr skeptisch.

Trotzdem ging mir das Bild nicht mehr aus dem Kopf, weshalb ich heute Abend meine Neugier befriedigte und im Internet nach dem Teil suchte. Und es auch fand. Weil es sich ja um ein wahnsinnig innovatives und überaus geniales Dingens handelt, dessen Erfinder sogar mehrere Designpreise dafür bekam. Potztausend!

Ich muss sagen, der Werbefilm dafür ist lustig. Trotzdem bin ich von der Sturmtauglichkeit des Schirms nicht restlos überzeugt, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie man darunter trocken bleibt. Und bei Windstärke 10 – das sagt mir mein gesunder Menschenverstand – bleibt vielleicht der Sturmschirm intakt, aber alles andere geht garantiert in die Binsen. Vielleicht geht es aber ja gar nicht ums Trockenbleiben. Schliesslich hat der Holländer Gerard Hoogendorn nicht den Trockenpreis, sondern den Designpreis gewonnen.

Da kann ich mir erlauben, noch eine weitere, womöglich noch widerstandfähigere Variante vorzustellen, die ich gerade eben jetzt erfunden habe. Ich konnte sie zwar noch nicht im Windkanal testen, aber ich behaupte dreist, DIE hält auch Windstärke 12 aus.

Zeichnen kann ich leider nicht so gut, schon gar nicht am Computer. Mit ein bisschen Phantasie erkennt man aber hoffentlich die bestechende Genialität meines Entwurfes trotzdem.

Lesetipp

So’n Hundewetter!

Da bleibt einem gar nix anderes übrig, als zu…

…lesen.

Zum Beispiel auf meinem Blog.

Ferienanfang

Ferien, endlich. Kein Wecker, der mich am Montagmorgen schon um halb sechs aus den Träumen reisst, sondern …ein Telefon.

Es ist zwar nicht halb sechs, aber zwanzig vor acht und in Anbetracht der Feriensache doch recht früh. Am Apparat ist meine Mutter, völlig aufgelöst, sie habe Nasenbluten und das gehe jetzt schon seit STUNDEN so und die Schwester habe ihr blutstillende Watte gebracht und trotzdem müsse ich das aber doch jetzt wissen, sofort! und dass sie so auf keinen Fall zum verabredeten Mittagessen gehen könne.
Obwohl es zum Mittagessen noch eine Weile hin ist – vier Stunden und zwanzig Minuten, um genau zu sein – kann ich sie nicht beruhigen. Irgendwann hänge ich auf, Rabentochter, wo meine Mutter doch offensichtlich auf den Tod wartet. (Um mich ein wenig zu entlasten möchte ich aber anfügen, dass sie das seit etwa fünfundzwanzig Jahren immer mal wieder tut und ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe. Was fatale Folgen haben könnte, weil sie mittlerweile tatsächlich schon recht alt und zittrig geworden ist.)

Trotzdem hänge ich also auf, packe mich und mein schlechtes Gewissen wieder unter die Decke und versuche nochmals zu schlafen. Der Rest unserer launigen Wohngemeinschaft wird sich bei diesem Wetter auch nicht vor halb zehn blicken lassen.

Kaum bin ich wieder halbwegs weggedöst, klingelt es erneut. Diesmal melde ich mich mit einem genervten “Ja…?” und einem unausgesprochenen “Was ist denn jetzt noch?!?!?”, doch es ist nicht meine Mutter. Es ist ja auch schon fünf nach acht und diesmal ist ein Kollege vom Handyman dran. Der wird mir später aufs Ohr klatschen, ich solle mich bloss nicht so haben, acht Uhr sei für jeden vernünftigen Menschen eine völlig normale Zeit, um anzurufen, aber wie gesagt wird er mir das erst später vorhalten, denn jetzt schläft er ja noch. Im Gegensatz zu mir. Der Kollege tut mir zwar ein bisschen leid, weil er ob meines Tonfalls ziemlich verdattert ist, aber trotzdem vertröste ich ihn auf später, weil HIER ALLE NOCH SCHLAFEN UND WIR FERIEN HABEN!!! Was gelogen ist. Ich schlafe ja gar nicht.

Es will mir jetzt auch nicht mehr gelingen, das mit dem Schlafen. Also stehe ich auf und geniesse ein ruhiges Frühstück.

Schön eigentlich, wenn alle anderen noch im Bett sind…

Schön kalt

Am Nachmittag hatte ich noch auf eine dieser Blitzgrippen oder auch auf einen Meteoriteneinschlag gehofft. Da war ich übrigens nicht die einzige gewesen, stellte ich am Abend fest. Mit Ausnahme des arktiserprobten und vor gar nichts zurückschreckenden Kollegen, der sich auf den Ausflug freute und nicht wie alle andern bloss so tun musste als ob, bissen wir aber brav die Zähne zusammen, klaubten in den Tiefen des Estrichs unsere wärmste Winterkleidung zusammen und machten uns tapfer auf den Weg.

Teamausflug. Auf den Bachtel. Nachts. Bei fünfzehn Grad Kälte.

Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, so etwas Verrücktes freiwillig zu machen; wo es zu Hause doch so gemütlich und warm …

Doch wer jetzt einen Anflug von Schadenfreude verspürt, dem sei gesagt: Es war schön. Nicht nur das leckere Käsefondue im ansonsten verwaisten Restaurant, dessen Wirt uns vor lauter Dankbarkeit, dass wenigstens wir gekommen waren, adoptieren wollte und entsprechend verwöhnte. Schön war es auch, bei klirrender Kälte durch den knirschenden Schnee zu stapfen, dabei die eigene Silhouette im Mondlicht zu sehen und, weiter unten, die im Dunst liegenden Lichter der Ortschaften. Schön war es, auf dem Aussichtsturm die Nase in den Kragen zu stecken um der grimmigen Bise auszuweichen. Schön war es, dabei leicht gerührt an die eigene Jugend zurückzudenken, wo man den einen oder anderen Silvester an ebendiesem Ort gefeiert hatte. Um es also nochmals auf den Punkt zu bringen: Es war nicht nur schön kalt, es war auch schön.

Manchmal kann es trotz allem ganz hilfreich sein, sich gewissen (gesellschaftlichen) Zwängen zu beugen. Man würde sonst glatt etwas verpassen.